Ein Umschlag mit weißem Pulver im DGB-Haus am Kornmarkt in Nürnberg löst am Mittwochvormittag (18. Februar 2026) einen Großeinsatz aus. Feuerwehr, Polizei, Gesundheitsamt, Spezialisten. Menschen müssen im Gebäude bleiben, ein Dekontaminationsplatz wird aufgebaut.
Zwei Schnelltests noch am selben Tag: negativ. Dritter Labortest durch das Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit am Freitag: ebenfalls negativ. Kein Milzbrand, keine anderen bakteriellen Krankheitserreger. Am Ende ist klar: keine Gefahr für die Bevölkerung.
Sicherheit geht vor – aber Verhältnismäßigkeit zählt
Natürlich gilt: Bei unbekannten Substanzen darf kein Risiko eingegangen werden. Nach den Erfahrungen früherer Pulver-Briefe wäre es fahrlässig, einen solchen Fund zu ignorieren. Die schnelle Absperrung und die Tests waren nachvollziehbar. Doch ebenso klar ist: In der öffentlichen Wahrnehmung entsteht binnen Minuten ein Szenario maximaler Bedrohung. „Großeinsatz“, „Drohbrief“, „Dekontamination“ – Begriffe, die Alarm auslösen.
Wenn sich wenige Stunden später herausstellt, dass es sich um harmlose Substanz handelt, bleibt ein schaler Eindruck. Ein unbedeutendes Drama, das viele Ressourcen bindet und für Stunden Unsicherheit produziert.
Das eigentliche Problem: kalkulierte Panik
Solche Briefe sind keine medizinische, sondern eine psychologische Waffe. Der Absender – dessen Identität nun die Kriminalpolizei klären muss – spekuliert auf maximale Wirkung bei minimalem Aufwand. Ein Umschlag, etwas Pulver, ein Drohschreiben. Der Rest erledigt sich selbst. Über 70 Menschen mussten im Gebäude ausharren. Elf Personen waren unmittelbar betroffen, einige wurden dekontaminiert. Am Ende: heiße Luft.
Das zeigt, wie leicht Institutionen in einen Ausnahmezustand versetzt werden können – selbst dann, wenn objektiv keine Gefahr besteht.
Gelassenheit ist keine Fahrlässigkeit
Die Lehre aus Nürnberg kann nicht sein, künftig weniger sorgfältig zu reagieren. Aber sie sollte Anlass sein, nüchtern zu kommunizieren und Eskalationsrhetorik zu vermeiden. Denn am Ende war es genau das: ein Vorfall ohne gesundheitliche Relevanz – mit maximaler symbolischer Wirkung.

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