Reanimation in der Schule: 82 Prozent wollen den Pflichtunterricht, nur sechs Länder haben ihn

Reanimation in der Schule: 82 Prozent wollen den Pflichtunterricht, nur sechs Länder haben ihn
Reanimation (über LightFieldStudios)

Die Menschen in Deutschland wissen, dass sie jederzeit als Ersthelfende gefragt sein können. Eine große Mehrheit ist auch bereit, bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu reanimieren. Doch es fehlt oft die Sicherheit, das Richtige zu tun. Das zeigt der „Monitor Reanimation” der ADAC Stiftung.

130.000 Notfälle pro Jahr

Rund 130.000 Menschen erleiden jährlich außerhalb einer Klinik einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Bis der Rettungsdienst eintrifft, sind es meist Angehörige, Freunde oder Nachbarn, die plötzlich zu Ersthelfenden werden. Ihre Maßnahmen können Leben retten und Folgeschäden verringern.

Zwei Drittel würden sofort helfen, viele fürchten Fehler

Knapp zwei Drittel der Befragten würden direkt mit einer Reanimation beginnen. Viele sorgen sich allerdings, durch falsche Maßnahmen zusätzlich zu schaden. Hier könnte die telefonische Anleitung durch die Rettungsleitstelle helfen. Mit dieser Aussicht steigt die Reanimationsbereitschaft von 64 auf 83 Prozent. Bislang wird die Anleitung in Deutschland nicht flächendeckend angeboten, weil die gesetzlichen Rahmenbedingungen uneinheitlich sind.

Wachsendes Interesse an Erste-Hilfe-Kursen

44 Prozent der Befragten möchten wieder einen Erste-Hilfe-Kurs belegen, drei Viertel von ihnen spätestens im kommenden Jahr. Der Anteil derer, die „sehr gerne” dazu bereit sind, stieg gegenüber dem Vorjahr von 20 auf 27 Prozent. „Die Ergebnisse machen Mut”, sagt Christina Tillmann, Vorständin der ADAC Stiftung. Immer mehr Menschen trauten sich zu, im Notfall zu reanimieren, und immer mehr wollten ihre Kenntnisse auffrischen. Man wolle möglichst viele Menschen handlungssicher machen, damit Überleben nicht vom Zufall abhängt.

Reanimation im Schulunterricht

82 Prozent befürworten Reanimation als festen Bestandteil des Unterrichts ab Klasse 7. Bislang haben nur sechs Bundesländer die Wiederbelebung verpflichtend in den Lehrplan der Sekundarstufe I aufgenommen: Hessen, das Saarland, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Nordrhein-Westfalen.

Die Risikogruppe Ü60: Hohe Betroffenheit, wenig Training

Menschen über 60 erleiden statistisch besonders häufig einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Zugleich kommen sie oft in die Rolle der Ersthelfenden, etwa als Ehepartner, Verwandte oder Freunde. Doch nur 27 Prozent der über 60-Jährigen haben in den vergangenen zehn Jahren ein Reanimationstraining absolviert, in den letzten zwei Jahren weniger als 10 Prozent. Lediglich 23 Prozent dieser Altersgruppe wissen nach eigenen Angaben, wann reanimiert werden muss.

Ersthelfer-Apps: Großes Potenzial, geringe Bekanntheit

App-basierte Ersthelfer-Netzwerke alarmieren bei einem Notruf zeitgleich zum Rettungsdienst Freiwillige in unmittelbarer Nähe. Nach Angaben der Betreiber ist so durchschnittlich nach vier Minuten ein Ersthelfender vor Ort. Auf eine Reanimation durch professionelle Rettungskräfte warten Betroffene im Schnitt sieben Minuten, im ländlichen Raum teils deutlich länger. Die Netzwerke könnten den kritischen Zeitraum demnach fast halbieren.

Das Konzept ist noch wenig bekannt: Nicht einmal jeder fünfte Befragte kennt es. Nach einer Erläuterung sagen 23 Prozent, sie wollten sich wahrscheinlich in ein Netzwerk aufnehmen lassen. Aktuell sind bundesweit 185.000 Menschen registriert. Das Potenzial dürfte also deutlich größer sein.

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